Autor Thema: Aktiver Überwachnungsstaat  (Gelesen 12891 mal)

Samur

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Aktiver Überwachnungsstaat
« am: September 18, 2006, 12:11 Nachmittag »
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23571/1.html

unfassbar... bin mal gespannt, wann dies die konservativen Politiker hierzulande fordern.
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Admiral

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #1 am: September 18, 2006, 23:40 Nachmittag »
Nicht schlecht!

Und es wird funktionieren!

Warum? Der philosophische kommentar ist hier zu finden:
http://www.omnisophie.com/day_aktuell.html

anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #2 am: September 19, 2006, 16:41 Nachmittag »
Werden mal wieder Vorteile des Überwachungskonzepts propagiert und wieder werden viele einfach Nicken und bestätigen, daß das eine gute Idee gewesen sei. Derartige Werbekampagnen stehen ja hoch im Kurs. Was die Cams betrifft :: In Wirklichkeit würde sich langfristig nichts ändern, denn die Menschen würden sich Anpassen. Das Problem wird ein weiteres Mal verschoben aber nicht gelöst. die sog. Nulltoleranz ist nur eine Ausdenaugenausdemsinn-Toleranz.
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Admiral

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #3 am: September 19, 2006, 20:40 Nachmittag »
Was mich persönlich stört ist, dass diese Dinger benutzt werden um Leute davon abzuhalten Kaugummies auf die Straße zu werfen.
Wenn aus Bahnhofs-Überwachungs-Daten terroristische Akte aufgeklärt (wohl eher selten verhindert) werden, ist das eine Sache. Aber für den Job des Ordnungsamts einen BigBrother zu installieren, ist ein Skandal.

anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #4 am: September 19, 2006, 21:33 Nachmittag »
Das stimmt... für Aufklärungszwecke mag eine strategisch korrekt positionierte Kamerainstallation ein echter Glücksfall sein. Wobei ich den Nutzen sehr schnell anzweifle, wenn ein terroristischer Anschlag entsprechend geplant bzw durchgeführt wird. Das gleiche gilt ja auch für Einbrüche. Wenn jemand auf den Bildern auftaucht dann hat man selten den Letztverantwortlichen, sondern einen 'Bauern'. Was man letzten Endes aufklärt ist vielleicht noch dessen Hintergrund und dann ists auch schon vorbei mit Sheriffs seliger Rechtskultivierung. Wirkliche Sicherheit vor einem Verbrechen oder einem Delikt leistet das System in keiner Weise. Im Gegenteil schafft es eher noch falsches Sicherheitsgefühl.

Gruß
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Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #5 am: September 20, 2006, 09:20 Vormittag »
Das Problem in meinen Augen ist, dass durch die Überwachung keine Anschläge verhindert werden. Wenn jemand ein Gebäude in die Luft jagen will, dann tut er es, auch wenn er dabei gefilmt wird und feut sich ggf über die zusätzliche Publicity.
Und die bisherigen Anschläge konnten bisher auch wunderbar ohne Kameras aufgeklärt werden und die verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden.
Diese Art von Überwachung führt nur zur Angst und Unwohlsein in der Bevölkerung ohne tatsächlich etwas sinnvolles zu bewirken. Nu werden Parksünder und randalierende Kiddies leichter überführt und dafür opfern wir einen großen Teil unserer Freiheit und Privatsphäre, vielen dank auch.
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Admiral

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #6 am: September 21, 2006, 09:47 Vormittag »
Nun... Die Anschläge von London und die versuchten in Deutschland wurden im nachhinein mit Hilfe der Kameras aufgeklärt. Soweit ich das verstanden habe.
Im Nachhinein! Hat es Sinn es im Nachhinein zu machen? Nun es führt einen auf jedem Fall über die Identität der Täter, zu den Hintermännern. Führt es zu erhöhter Sicherheit? Es kann zu einer schnelleren Analyse der Täter-Netzwerke führen, und damit hoffentlich zur besseren Sicherheit.

Verhindern tun sie aber erst einmal nichts! Vielleicht im zweiten Schritt.

Parinor

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #7 am: September 21, 2006, 10:03 Vormittag »
also wenn in einem parkhaus ständig vergewaltigt wird, und man hängt da nekamera hin, gibt es sicherlich den ein oder anderen fall, dass eine vergewaltigung durch abschreckung verhindert wird. ist auch nur ein fall verhindert, hat sich die kamera schon gelohnt.
ein triebtäter wird aber eher den standort wechseln, als aufhören.

diese kameras werden aufgehängt, weil terroristen bomben bauen. ein bombenbauer schreckt das nicht. nimmt man noch einen selbstmordattentäter, macht die kamera noch weniger sinn.

ich habe das gefühl, die dinger werden nicht aufgehängt, um die terroristen zu fassen, sondern weil die terroristen ein gutes alibi für überwachung, also auch macht, ist.

ein überwachungstaat entsteht nicht, weil besonders viele verbrechen begangen werden, dann erhöht ein staat in der regel die strafen (s. singapur, höchste strafen, niedrigste anzahl gewalttaten/kopf), er entsteht, weil machthabende mehr kontrolle wollen.
Der Compiler muss verbuggt sein.

Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #8 am: September 21, 2006, 11:20 Vormittag »
Überwachung verhindert keine Straftaten.
Wenn man Kameras an öffentlichen Plätzen installiert um z.B. Drogenhandel und Taschendiebstahl zu verhindern, so wechseln die Dealer und Diebe einfach den Standort. Dies gilt auch für die Vergewaltiger im obigen Beispiel.
Dies führt nur zu einer Pseudosicherheit, wenn der Vergewaltiger oder der Dieb es auf dich abgesehn hat, dann schlägt er eben vor deiner Haustür, oder einem beliebigem anderen Ort zu.

Die Anschläge von London und in D wurden tatsächlich durch Kameras aufgeklärt. Also scheinen die bereits vorhandenen Maßnahmen zu greifen, warum also das Geschrei nach mehr Überwachung?

Ich denke auch, die Forderungen nach mehr Überwachung haben nichts mit der tatsächlichen Absicht zu tun, etwas wirkungsvolles gegen das Verbrechen zu tun. Anschläge und andere Gewaltverbrechen lassen sich nicht durch so etwas verhinden, ich habe das Gefühl, die Politik fordert dies nur, weil anscheinend keinen die Ursachen interessieren und diese zu bekämpfen es zu aufwändig oder gar unmöglich währe, deswegen werden die Wähler durch "einfache" Maßnahmen ruhiggestellt.
Jegliche Maßnahmen, von denen ich bisher gehört habe, seien es Kameras oder Internetüberwachung dienen nur dazu, die "normalen" Bürger zu verunsichern. Welcher Terrorist würde sich über öffentliche Chats oder unverschlüsselte "öffentliche" Emails über seine Pläne unterhalten? Dadurch fallen eher Systemkritiker auf und wir haben bald eine neue Stasi oder Gestapo, sonst nichts.
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Admiral

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #9 am: September 21, 2006, 21:01 Nachmittag »
Ich sehe nicht wirklich den Vorteil eines Überwachungsstaates für die Politiker. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das das eigentliche Ziel ist.

Aber dass es sich um werbewirksame Beruhigungsmaßnahmen handelt, da stimme ich voll zu! Da trifft ein Zitat aus der 'Jagd auf den Roten Oktober' zu:

"Die Regierung will das, was alle Regierungen in der ersten Legislatur-Periode wollen: eine zweite."

Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #10 am: September 22, 2006, 09:14 Vormittag »
Da unsere Regierung demokratisch gewählt ist, hat sie vermutlich weniger Vorteile, als ein Diktator.
Aber es geht um Lobby-Arbeit. Forderungen nach mehr Sicherheit und Überwachugn stammen meist aus dem konservativen Umfeld. Dieses wird dadurch bedient. Ob es sinnvoll ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Und wenn der durchschnittliche Bild-Leser auch der Meinugn ist, dass wir mehr Sicherheit brauchen, dann hast du wieder Pluspunkte bei den Wählern. eben die zweite Legislatur-Periode.
Und natürlich lässt sich Überwachung hervorragend missbrauchen, ob nun von der Polizei, den Geheimdiensten oder gar von der Musik-Lobby, die Kohle sehen will.
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anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #11 am: September 22, 2006, 14:09 Nachmittag »
Der Vorteil für die Staatsführung ist, daß sie authoritär auftreten kann, ohne dabei in der öffentlichen Wahrnehmung totalitär zu erscheinen. Heißt man kann Demokratie spielen aber Diktatur sein. Wenn man einen Staat führen will, arbeitet man mit einer unüberschaubaren Menge an Unbekannten, die einem Prognosen erschweren. Prognosen sind aber sehr wichtig, wenn man gegebenenfalls lenkend eingreifen will. Staaten werden genauso wenig blind gesteuert wie Autos. Man bekommt mit der völligen Überwachung der Bürger eine ganze Menge dieser Unbekannten ausgeschaltet. Der Bürger wird dadurch immer leichter beeinflußbar und bemerkt weder den Einfluß noch seine Manipulation. Die Staatsgeschäfte werden blendend laufen, die Bilanzen explodieren und der Bürger legt sich ergeben in die Hände der starken Männer und Frauen an der Spitze. Und wenn er nicht so ergeben ist werden die starken Männer und Frauen ihn aus seiner freidenkerischen 'Terrorzelle' ziehen und im Keller an einen starken Balken hängen.

Wenn die Bürger erst einmal auf den Geschmack mit der staatlichen Sicherheit gekommen sind, werden sie sich plötzlich wundern wie schön schnell so viele viele Verbrechen aufgeklärt werden. Und vielleicht wundern sie sich ab und zu, daß Nachbar nun auch abgeführt wird. Keiner wird mehr hinterfragen sondern auf die super Staatssicherheit mit ihren super Überwachungswerkzeugen zeigen und sagen das ist super, daß die das können. Ganz egal, ob eine Anklage aufgrund echter oder konstruierter Beweise passiert. Und irgendwann klingelt dann der Sicherheitsstaatsoffizier weil man in der Fußgängerzone zu wenig gelächelt und verdächtig lange mit XY geredet hat.

Mehr Sicherheit = weniger Freiheit
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Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #12 am: September 22, 2006, 14:47 Nachmittag »
Für mich persönlich ist unser Staat nicht das Problem. Er könnte vielleicht irgendwann dazu werden, aber danach sieht es bisher nicht aus. Ich sehe primär das Mißbrauchspotenzial. Bestes Beispiel : http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,438499,00.html

Ich habe ein Problem damit, wenn Fremde wissen was ich wann tue. Es geht sie einfach nichts an. Ich möchte nicht, dass irgendwer, weil er sich für fettiges Essen und guten Wein im Internet interessiert, in einer besonderen Risikogruppe bei seiner Krankenkasse geeführt wird, weil diese an mögliche Internetprofile kommt. Du verhällst Dich "auffällig"? Beobachten wir dich besser und schauen genau hin, irgendwas hast du bestimmt verbrochen. Deine Ex hat ein Problem mit Dir? Ein Tip an der richtigen Stelle und schwupps drehen sich die Kamers öfter nach Dir um. Und wehe Du hast Freunde, die nur irgendwie verdächtig aussehen...
Da die Unmengen an Daten die dabei anfallen nicht alle objektiv gesichtet werden können, wirst du automatisch in irgendwelche Kategorien gepresst. Nur wie kommt man da mal raus, wenn man ein mal drin ist? "Sehr geehrte Damen und Herren, bitte löschen sie alle gesammelten Daten über mich, ich bin doch unschuldig und parke nie wieder falsch, rede nie wieder mit Ausländern und werde nie wieder meinen Dispo überziehen, hauptsache ich kriege endlich wieder einen Job...". Na herzlichen Glückwunsch.

Sobald die technischen Möglichkeiten gegeben sind, ist das Missbrauchspotenzial enorm und es lässt sich eine Menge Kapital daraus schlagen. Irgendwelche Kriminelen lachen eher darüber und können entspannter zur Werke gehen, wenn sich alle auf die neue "Sicherheit" verlassen.
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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #13 am: September 22, 2006, 21:52 Nachmittag »
Also? Was jetzt? 2009 http://piratenpartei.de/ wählen?

Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #14 am: September 23, 2006, 09:48 Vormittag »
Wenn die Jungs noch ein brauchbares Programm hätten und einige erfahrenere Mitglieder, warum nicht? Aber wozu? Solange die Mehrheit was anderes will oder einige Zusammenhänge nicht versteht, kann man sich das komplett sparen. Und es gibt sicherlich andere alternativen auf der politischen Bühne.
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