Autor Thema: Aktiver Überwachnungsstaat  (Gelesen 12892 mal)

Admiral

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #15 am: September 23, 2006, 10:28 Vormittag »
Die Grünen haben auch klein angefangen.

anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #16 am: September 23, 2006, 15:02 Nachmittag »
Wegen Demokratie :: Da könnt man sich jetzt wieder unterhalten über wieviel Demokratie der deutsche Staatsbürger sich wirklich freuen darf. Die Wahl war ja nicht gerade eindeutig im Ergebnis, aber dennoch darf dann die Fraktion mit der größeren 10ten Kommastelle vier Jahre unwiderruflich ran. Dabei verliert sie schon nach 9-12 Monaten jedes Vertrauen vom Volk und bleibt trotzdem. Während die Parteien immer weniger Meinungen hinter sich haben, wird die Frustration beim potentiellen Wähler immer größer. Manchmal scheints mir, als wenn analog zu Krieg und Frieden eine Demokratie nur das Ausbleiben von offener Diktatur ist. Quasi eine kalte Diktatur.

Ich finde man sollte Politik weniger an Personen festmachen und man sollte ein Punktesystem einführen. Jede Woche muß eine Regierung und ihre Hampelmänner einen Durchschnittswert erreichen. Das Gleiche dann über einen Monat, ein halbes Jahr, ein-vier Jahre bzw entsprechend Legislaturperiode. Die Punkte werden nach Volkes Nutzen vergeben und zwar durch das Volk. Jeder Bürger hat nicht unendlich viele Punkte zu vergeben, sondern die Anzahl richtet sich nach sozialem Status. Wer gesellschaftlich etabliert mit festem Einkommen steht hat entsprechend weniger Punkte zu vergeben, als die 15-Köpfige Familie aus der Vorstadt. Außerdem würden Leute mit besserem sozialem Status weniger oft ein neu aufgefülltes Punktekonto besitzen und sozial schwache Bürger hätten dafür einmal täglich die volle Punktzahl zurück. Und wer straffällig wird verliert entweder komplett oder teilweise seinen Anspruch auf Teilnahme am Punktesystem. Punkte vergeben wird so einfach wie Brötchen kaufen und dabei bleibt das System selbst von Punktvergabe bis Auszählung absolut unabhängig, transparent und für jedermann einsehbar. Weg mit Wahlzirkus und elitärem Polit-Personenkult. Vor allem aber muß Machtanspruch von Finanzkapital unabhängig werden. In dem Fall wäre es wirklich Volkes Macht und man kann einmal im Kopf durchspielen wie sich Wirtschaft und Politik plötzlich ganz vehement um die Meinung der Bürger kümmern würden - und das langfristig, täglich und nicht nur im Vorfeld irgendeiner seltenen Wahlveranstaltung. Man stelle sich vor wie sich so ein System quasi selbst bewirbt und Bürger weltweit genau sowas wollten. Und was würde dann wohl aus Terrorismus (dem aus Feindschaft gegenüber Imperialismus und kapitalistischer Dominanz & Willkür) werden?

Man sehe sich einmal einen einfachen Angestellten an. So einer fliegt aus dem Job, wenn er mal die Interessen der Firma verletzt. Warum gilt das nicht auch für die angestellten Volksvertreter? Angeblich sind wir doch die Chefs von dieser Firma, oder etwa doch nicht so ganz? Wieso würde dieses System niemals kommen? Wessen Interessen sind in diesem System so gar nichts mehr Wert? Sry, ich glaube erst an Volkes Macht, wenn ich sie täglich sehe. Und nicht nur beim brökeln irgend einer Mauer, die sowieso keine Staatsführung mehr brauchen kann.

Gruß ;)
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Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #17 am: September 24, 2006, 10:11 Vormittag »
Macht entsteht durch Einfluss und diesen haben die Mächtigen und Reichen. Und durch deren Interessen wird die Politik gesteuert.

Die Punkte-Idee ist ganz nett, aber in meinen Augen völlig Utopisch und nicht unbedingt vorteilhaft. Jeder unpopuläre Beschluss, den der einfache Bürger, der jeden Morgen seine Bild am Kiosk liest, nicht versteht, würde sofort bestraft werden. Keiner würde es mehr wagen kritische Entscheidungen zu treffen. Woebei man sich fragen muss, ob dies nicht in vielen Bereichen bereits jetzt der Fall ist.

Das Volk hat die Macht, allerdings motzt es lieber rum, statt diese zu nutzen, das beweisen immer wieder die teilweise sehr niedrigen Wahlbeteiligungen. Allerdings mag dies auch am Fehlen der Alternativen liegen. Spielt es wirklich eine Rolle ob die CDU oder die SPD regieren? Ob die FDP oder die Grünen in der Koalition sitzen? Politik besteht aus Kompromissen, wird also meist gemäßigt bleiben, von daher ist es in meinen Augen völlig egal, wer am Steuer sitzt, solange es keine radikalen Idioten sind.
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anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #18 am: September 24, 2006, 14:22 Nachmittag »
Zitat
...Jeder unpopuläre Beschluss, den der einfache Bürger, der jeden Morgen seine Bild am Kiosk liest, nicht versteht,...

Eben drum. Ich finde es nur richtig wenn der Bürger ein bißchen mehr versteht, was in der Politik (eigentlich das Bestreben dem Bürger zu dienen) vor sich geht. Wenn man natürlich meint der Bürger sei doch eigentlich viel zu doof um seinen eigenen Staat funktionierend zu halten, dann wundert es mich kaum, daß Politik heute so gar nichts mit dem Mann auf der Straße zu tun hat. Dann allerdings frage ich mich wieso man behauptet das Volk hat die Macht.

Der Grund warum es an Alternativen fehlt hängt doch direkt damit zusammen, daß Politik heutzutage nichts mehr mit dem Bürger zu tun hat, sondern damit wie ich als Politiker meinen Gönnern in der Wirtschaft besonders formschön in den Hintern krieche. Das deswegen der Bürger frustriert (und angewidert) wegschaut ist doch logisch. Seine Interessen werden ja auch gar nicht vertreten und wenn dann dienen sie letzten Endes doch nur wieder der Wirtschaft und sind vielleicht mal gerade besonders werbewirksam. Mein ehemaliger Arbeitgeber warb einmal dafür, daß der einfache Bürger einen Meter (in Zahlen 1 Meter) Autobahn kaufen könne. Wozu das? Allein damit die Wirtschaft floriert. Erkennt einer die Perversion darin?

Sobald man als Bürger wieder das Gefühl der Mitsprache wirklich handfest wahrnehmen würde, würde diese Politikverdrossenheit ganz fix ins Klo wandern. Natürlich ist meine Idee utopisch, denn wir leben in einer Welt, in der nicht der einfache Bürger zu bestimmen hat, sondern das Kapital. Dem Bürger wird eine Demokratie vorgespielt und ihm wird sogar die Chance gegeben Politik zu 'wählen' (was bei zwei Alternativen mit derselben Farbe ganz schön langweilig sein kann). Warum darf der Bürger wählen? Der Politiker ist so gezwungen einen vollendeten Spagat zwischen seinen Fürsprechern in der mächtigen Wirtschaft und dem einfachen Bodenpersonal zu vollführen. Weil dabei aber rein gar nichts in Bewegung gerät, kann sich die Wirtschaft weiter um ihr Kapitalwachstum kümmern und der Bürger wundert sich höchstens über die Inkompetenz seiner gewählten 'Volksvertreter'. Es mag sein, daß wir uns lokal in etwas befinden, das im Lexikon von 1950 als Demokratie geführt wird. Aber die Zeiten sind lange vorbei, als Demokratie für den Bürger Bedeutung und Wert hatte. Wir leben in einer Weltdiktatur in der das Kapital und ihre Halter das Sagen haben. Und es wird jeden Tag geiler das Spielchen, denn Globalisierung ist die Morgenröte dieses menschenfeindlichen Weltsystems. Die Arbeitskraft, die Wahlstimme und die Meinung des einzelnen Bürgers werden in etwa so weltbestimmend sein wie ein häufchen Taubendreck im Wald. Ganz zu schweigen von der Freiheit des Einzelnen.

Gruß

ps :: Herzlichen Glückwunsch nachträglich Sam ;)
« Letzte Änderung: September 24, 2006, 14:35 Nachmittag von anakin!kkee »
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Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #19 am: September 24, 2006, 17:42 Nachmittag »
Auch diese Medalie hat zwei seiten. Wie groß ist denn tatsächlich das Interesse an der Politik in der Bevölkerung? Politik fängt ja bekanntlich ganz unten an. Warum ist die Beteiligung an Kommunalwahlen so niedrig? Wenn mehr als 50% ihren Bürgermeister wählen gehen ist es schon ein Erfolg. Liegt es am Mangel an Alternativen? Kaum, jeder kann sich aufstellen und wählen lassen. Die Menschen sind schnell, wenns ums Fordern geht, aber sobald dann wirklich Taten gefragt sind, ist es dann ganz schnell Vorbei.

Natürlich hast Du Recht und selbstverständlich wird die Politik durch die Interessen einiger Weniger gelenkt, aber die Trägheit der Masse macht es auch leicht. Andererseits bekommen die regierenden Parteien seit Jahrzehnten konstant Wahlanteile auf sehr hohem Niveau, obwohl es einige Alternativen auf der politischen Bühne gibt. Warum ist das so? Vermutlich weil die Mehrheit mehr oder minder zufrieden mit dem Status Quo ist.

Zitat
ps :: Herzlichen Glückwunsch nachträglich Sam ;)

Vielen Dank ;)
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anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #20 am: September 24, 2006, 20:22 Nachmittag »
Das Problem sehe ich in genau entgegen gesetzter Richtung. Die Bürger sind nicht zu faul oder zu dumm, um Demokratie zu leben. Die Frustration im Volk steigt viel mehr mit dem Verfall der Wichtigkeit des Einzelnen. Mag sein, daß hier vielleicht auch ein Teufelskreis mit seiner eigenen Dynamik entstanden ist. Tatsache ist, daß relevante Politik (die Politik der großen Zahlen) sich heute nicht mehr am Wohl des Bürgers orientiert, sondern daran was wirtschaftlich ist. Sobald die gespielten Geldwerte größer werden kippt das Interesse vom Bürger weg zur Wirtschaftlichkeit hin. Und dann heißt es von Seiten der Verantwortlichen : Was solln wir denn machen? Das ist schon Kommunal so und dann stelle man sich erst die Auswirkung auf globaler Ebene vor. Will man dem Bürger dann ganz die Stimme nehmen und behaupten "Du bist ja eh zu faul also laß die großen Jungs das mal machen"?

Politik macht natürlich nur dann Spaß, wenn man sieht, daß man reelle Chancen hat. Aber die sehen die meisten Bürger überhaupt nicht mehr. Wenn sie ihre Wahlstimmen abgeben gehen sie nicht mehr nach Vertrauen, sondern kreuzen das an was sich erstens am glattesten verkauft hat und zweitens denjenigen der weniger doof ist als die anderen. Ist das wirklich der Weg? Na gut Nacht sag ich.

Gruß
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Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #21 am: September 24, 2006, 23:02 Nachmittag »
Ich denke die Gründe sind vielfältig und sicherlich befinden wir uns bereits in dem Teufelskreis. Aber wie sieht der Ausweg aus? Die Bürger wollen nicht, weil sie nicht können. Keiner da, dem man vetraut. Also was tun?
Ich denke nicht, dass die jetzige Situation so kritisch ist, dass radikale Schritte nötig wären. Jeder der sich angangieren will, hat die Möglichkeit dazu. Natürlich sind die Mittel begrenzt, aber das ist nun mal so, wenn Millionen von Menschen zusammenleben. Und wenn sich die Menschen blenden lassen, wer trägt die Schuld daran? Wenn der Durchschnitt nichts hinterfragt, sich dem Stammtischgepöbel ergibt, warum sollte die (teilweise durchaus glatte) Politik daran schuld sein? Ich kann doch nicht die Schuld bei den Reichen und Mächtigen suchen, wenn ich mein Hirn nicht nutze und micht stets einlullen lasse.
Wenn ich ein Stück Geiz-Ist-Geil Elektronik kaufe, welches mich aber nicht vollends zufriedenstellt, kann ich die Schuld nicht ausschließlich bei der Werbung suchen. Warum habe ich mich nicht schlau gemacht? Warum habe ich keine Infos eingeholt? Warum habe ich die Werbung nicht kritisch hinterfragt?
Ich traue dem Menschen durchaus Intelligenz zu, aber wenn er diese nicht nutzt, kann ich nicht andere dafür verantwortlich machen.

Wird Zeit schlafen zu gehen...
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anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #22 am: September 25, 2006, 14:26 Nachmittag »
Aber genau das ist doch eben das schlimme. Wenn du in einem Elektronikmarkt nen Fernseher kaufen willst, dann stellen sich in absehbarer Zeit 15 Provisionsvampire um dich rum und zählen dir 15 Fernsehgeräte auf, wo eins geiziger als das andere ist. Die Wirtschaft soll ja laufen und so bist du als Kunde beworben bis zum Erbrechen. Du als Kunde weißt ja gar nicht was du alles haben und besitzen mußt. Wachstum, Wachstum, Wachstum - wie ein Krebs.

In der Politik stehst du vor einem kleinen Holzregal und du kannst einen glattpolierten, leichten Artikel in drei unterschiedlichen Farben kaufen (wer Braun kauft hat zu tief gegriffen). Und wenn du den Artikel gleichmütig in den Händen wiegst und dich noch fragst ob du das Richtige genommen hast merkst du schon auf dem Weg nach Hause, wie dein gekauftes Produkt aus dem Leim geht. Die meisten vergraben es traurig im Garten wo die anderen Dinger gleicher Farbe seit Jahren rumgammeln. Also wo gehst du als Kunde lieber hin? Zum Elektronikaffen oder zum Amt zur Beschaffung für scheinbare Volksvertretung?

Der Teufelskreis ist sogar in vollem Gange. Sieh dir die Gesellschaft vor 10-15 Jahren und heute an. Frag mal die Kiddies was sie wählen würden. Wahrscheinlich sagen sie "die 35, die 35" und meinen damit nen 2 Sekunden-Klingelton von 50cent der glatt das Achtfache kostet. Scheiß auf Politik, ich will was klingeln hören. In der Politik klingelt höchstens die Kohle von irgend so nem internationalen Wucherpapst.

Radikale Schritte sind für niemanden wirklich wünschenswert. Aber ich glaube ohne den Gang in Utopien wie meiner Oben (oder einer ähnlichen) wird sich nichts zum Vorteil für den Bürger wenden. Utopie bleibt eine Sache nur solange die Wirtschaft in ihr keinen Profit wittert. Es gab Utopien vor 100 Jahren, die es heute dank profitorientierter Initiative nicht mehr sind. Allein wenn der einzelne Bürger ohne jedes Kapital in der Tasche wirklich wieder das Sagen hat, dann ist schon mal der erste Schritt zu echter Verbesserung gemacht. Das Sagen bedeutet in dem Fall nicht geblendet von Werbebannern Entscheidungen treffen, sondern nach individueller Einschätzung unter Gesichtspunkten des gesellschaftlichen Nutzens. Bis das nicht passiert ist und allein das Geld den Weg jedes Einzelnen vorgibt kann man getrost weiter von Abwärtsspirale ausgehen. Denn diejenigen, welche sich heute noch auf dem aufsteigenden Ast wähnen, werden irgendwann an die Stelle der heutigen Looser rücken. Im Kapitalismus kanns letzten Endes nur einen Gewinner geben - die Bank.

Ich denke ein System, welches Potential hat, wird immer weiter leben und u.U. sogar radikale Sprünge durchlaufen um sich selber lebendig zu halten. Das ist nur natürlich. Die Frage ist welches System im Moment mehr Potential hat. Die menschliche Gesellschaft mit ihrer gereiften demokratischen Struktur, oder das totalitäre, kapitalistische System mit seinen toten Geldwerten. Ich weiß nur eins :: Ich halte den Verstand des Menschen für lebendiger, kreativer und potentialreicher als jede ungedeckte Vertrauenswährung dieses Planeten.
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Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #23 am: September 25, 2006, 14:34 Nachmittag »
Aber genau hier kommt eben die erhoffte Intelligenz zum tragen, die hinterfragt und nicht dem erstbesten Verkäufer auf den Leim geht. Wenn ich als Kunde nicht weiß was ich will, wie kann ich einem Verkäufer, der offensichtlich nur Provision kassieren will, vertrauen? Ist der Verkäufer schuld, wenn ich Müll kaufe? Er hat dann einfach das Spiel gewonnen, weil ich mich dumm angestellt habe.
Ich halte Kapitalismus nicht für die Wurzel allen Übels, denn nur dieser sorgt für eine Art Fortschritt für die menschliche Rasse. Ob die Kosten dafür nicht viel zu hoch sind (Globalisierung, Armut, etc) steht auf einem anderen Blatt, ich denke aber, das ein gesunder Konkurrenzkampf die Menscheit durchaus nach vorne bringen kann, man darf natürlich den Menschen dabei nicht vergessen.
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anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #24 am: September 25, 2006, 15:16 Nachmittag »
Sry Sam, aber in dem Fall glaubst du an ein Trugbild. Denn du wünschst dir das Emporkommen der menschlichen Rasse auf dem Rücken derselben. Dabei hoffst du darauf, daß niemand Schaden nimmt, aber verschließt die Augen vor der Wirklichkeit. Und die sieht aus wie in Abidjan.

Ich denke ein wirklich effektiver Fortschritt ist nur drin, wenn alle an einem Strang ziehen. Im Moment ziehen ein paar an goldenen Fäden, an denen ihr Leben hängt und eine Masse anderer kaut an verrottenden Seilen, mit denen sie die vergoldete Gesellschaft über diesen dreckigen Klumpen ins goldene Zeitalter der blühenden Wirtschaft ziehen soll. Bloß werden immer weniger Leute bereit sein zu ziehen, weil immer mehr erkennen, daß endloses Wachstum Illusion und auf jeden Fall dem Leben feindlich ist. Jeder Dampferkapitän kann sich ausrechnen wie die Reise weiter geht.

Gruß
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Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #25 am: September 25, 2006, 18:27 Nachmittag »
Ich denke, der Glaube an eine Zukunft ala Star Trek, wo Friede, Freude und Eierkuchen im Überfluss für alle herrscht, ist utopisch.
So sehr ich gegen Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung bin, bin ich Realist genug, um zu sehen, dass der Glaube an das gute im Menschen allein nicht genügt. Es werden niemals alle an einem Strag ziehen, da die Interessen zu verschieden sind. Die Industrieländer und alle die da leben wollen ihren Status beibehalten (ist das nicht verständlich?) und die Ressourcen dafür liegen in anderen, meist instabilen Regionen. Solange die Industrienationen nicht teilen wollen und primär auf Ausbeutung und Kostensenkung aus sind, solange werden Millionen Menschen unterdrückt und unzählige Ressourcenkriege werden folgen.
Die Unterdrückten können die Lage nicht ändern. Die meisten friedlichen Hilfeschreie werden ignoriert, weil sie es nicht in die Massenmedien schaffen und jegliche Verzweiflungstaten werden zu Terrorakten abgestempelt und bringen selten den gewünschten Erfolg. Die Industrienationen und die Mehrheit der dort lebenden Menschen sind nicht daran interessiert die Lage zu ändern, dann müsste man ja teilen und verzichten. Wie soll das funktionieren, wenn die Bevölkerung das größte Problem im hohen Benzinpreis sieht und nicht darin, dass für das dafür benötigte Öl tausende jährlich sterben?
Solange sich die Illusion von der du sprichst aufrecht erhalten lässt, solange wird sich überhaupt nichts ändern.

Und was Fortschritt angeht...Fortschritt und Wachstum entstehen primär durch Konkurrenz und Notwendigkeit und nicht, weil die Lage bestens ist und alle Zufrieden sind.
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Parinor

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #26 am: September 25, 2006, 19:40 Nachmittag »
das heutige globale system beruht meiner meinung nach auf ungleichmäßige verteilung von menschen, wasser, nahrung, energie und macht. diese ungleichmäßige verteilung gibt es schon seit der existenz von mehr als einem lebewesen auf der welt. die gesammte evolution wird von konkurrenzdruck und glück bestimmt. vor konkurrenz und glück kann sich kein mensch drücken, sein biologisches system baut darauf, die existenz ist davon abhängig. in industrienationen ist der überlebenskampf dem kampf nach sicherheit (geld, macht) gewichen, anderorts kämpft man noch um naktes überleben. solange nicht die ungleichmäßige verteilung des lebensnotwendigen gerecht verteilt ist, wird es konflikte geben. ob nun kommunal, wirtschaftlich, innenpolitisch oder außenpolitisch.
 und mit gerecht ist nicht gemeint, jeder kriegt das gleiche. da information begrenzt ist, muss jeder glauben, gerecht behandelt zu sein. also noch schwerer.
selbst wenn das alles zu zufriedenheit gelöst wurde, wird ein natürliches aggressionspotential in menschen für weitere probleme sorgen.
nein, ich denke, in dem ganzen auf und ab wird es keine lösung geben. es bleibt ein aufbauen und zusammenbrechen, ob ich jetzt nun siedlungen, metropolen, demokratie, staaten oder religionen betrachte. entscheidend ist, wie kriege ich mich, meine lieben und mein gewissen heile über die zeit. und selbst dort wird dann konkurrenzdruck herrschen und kompromisse gefordert sein.
ich bin absolut nicht begeistert von unserer regierungsform. war ich auch nicht von der alternative. aber ich werde es nicht besser können, wenn ich an ihrer stelle vor ihren problemen stehe.
eine demokratie funktioniert nur, wenn idealisten an der macht sind, aber ausgerechnet idealisten schaffen sich zu wenig freunde, um ganz nach oben zu kommen.
Der Compiler muss verbuggt sein.

anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #27 am: September 25, 2006, 21:51 Nachmittag »
Zitat
...Solange sich die Illusion von der du sprichst aufrecht erhalten lässt, solange wird sich überhaupt nichts ändern.

Es ist vor allem in keinster Weise interessant für die Wirtschaft, daß sich irgendwas grundlegendes am System ändert. Es wird lediglich dafür gesorgt, daß die Erträge steigen. Meine und jede andere Utopie ist ebenso real wie es eine Alternative zu unserer jetzigen Weltlage gibt - da ist keine. Es gibt allerhöchstens eine potentielle Alternative. Aber die wird niemand mit Einfluß anstreben wollen, denn die dafür notwendigen Veränderungen würden zuerst einmal ziemlich weh tun. Und das trifft vor allem auf die zu, die was vom System haben und Grund haben sich darin geborgen zu fühlen. Diese würden erstens alle ihre Freiheiten für diese Sicherheit aufgeben und sie würden sich zweitens jeden Menschen zum Feind machen, der ihnen Sicherheit und Reichtum kaputt machen könnte. Sie denken vielleicht sie seien aufgrund evolutionärer/wettbewerbmäßiger Bevorteilung zum besseren Leben geboren. Ich halte das für eine Fehleinschätzung denn ich denke jeder von ihnen würde seine Meinung plötzlich ganz anders ausrichten, wenn sie ihre vermeintliche Wettbewerbsstärke weit abgeschlagen sehen und zwischen den Massen an Übervorteilten stünden. Also scheint mir die vermeintliche Wahrheit reichlich subjektiv zu sein. Ich finde es als reicher Westler übrigens auch absolut verständlich, daß die Armen in allen Teilen der Weltbevölkerung langsam zu meutern anfangen.

Ich verteufele nicht den Wettbewerb oder den Kapitalismus, denn das sind lediglich Stempel für Sachverhalte. Auch ist nicht die Wurzel des Problems Überbevölkerung und Mangel an Wasser, Nahrung, Energie. Das Problem liegt beim Menschen. Die Art wie der Mensch den Wettbewerb angeht und wie er ihn auslegt ist problematisch. Er ist bereit seine Menschlichkeit über den Haufen zu werfen, weil er Glück darin vermutet besonders reich in Geld und Einfluß zu sein. Diese Aspekte treten allerdings nur mit einhergehendem Egoismus hervor. Tiere mögen einander bekämpfen und töten, um selektive Verbesserung der genetischen Reinheit zu gewährleisten. Aber ich glaube beim Menschen ist dies kein gangbarer Weg für eine lebenswerte Zukunft. Beim Menschen geht es zudem nicht um genetische Reinheit, sondern darum wie ich rücksichtslos mit einem möglichst großen Haufen Kohle wegkomme. Also ist diese Tendenz wirklich das Ziel der Evolution beim Menschen? Ein einsamer, habgieriger, ultimativ reicher Kotzbrocken, der in einem goldenen Käfig Klingeltöne, Koks und Gammelfleisch für das Leben hält?

Was dieses angeblich unumgängliche Auslesemodell angeht :: Ich denke man muß sehr vorsichtig sein, wenn man anfängt die Menschen in besserer Mensch und schlechterer Mensch zu unterteilen. Ich glaube nicht, daß es eine solche Unterteilung wirklich gibt oder daß auch nur ein einzelner Teilnehmer an diesem "schöpfungskrönenden", biologischen Auswuchs das Privileg für diese Beurteilung für sich beanspruchen kann.

Gruß
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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #28 am: September 26, 2006, 10:21 Vormittag »
Du hast vollkommen Recht. Und wir sind uns anscheinend einig, dass die Probleme der Welt bei den Industrieländern zu suchen sind und die Möglichkeiten der Ausgebeuteten begrenzt.
Nur was tun? Aus Bequemlichkeit und in meinen Augen auch in vielen Bereichen absolut nachvollziehbarem Wunsch nach Erhalt des Status Quo werden die Reichen wenig dagegen tun. Das liegt auch in der Natur des Menschen. Die Armen haben keine Mittel um die Lage zu ändern. Aber wie sieht der Ausweg aus?
Ich kenne keine Mittel und bin der Meinung, wenn es eine zufriedenstellende Lösung für alle gebe, würde diese auch längst angestrebt werden, denn langsam ist ein Punkt erreicht, wo man die Augen nicht mehr verschliessen kann.
Ich denke, dass jedes Verhalten, sowohl der priviligierten Menschen, die das Glück hatten, am richtigen Ort und zur richtigen Zeit geboren zu werden (wo ich alle hier anwesenden dazuzähle) als auch die, die weniger Glück hatten und um ihr Überleben kämpfen müssen mehr als Verständlich ist. Es ist einfach menschlich und an der menschlichen Natur ist schwer zu rütteln.
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anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #29 am: September 26, 2006, 16:44 Nachmittag »
Der einzige Ausweg ist die Utopie. Oder besser ausgedrückt ist der einzige Ausweg der, welcher die Utopie zur Realität macht, denn angeblich ist dem Menschen ja nichts wirklich unmöglich. Dies ist eigentlich in eingeschränkter Weise auch meine Ansicht. Im Grundansatz ist das eine solche Utopie, welche jeden Menschen in absolute Gleichwertigkeit (nicht! Gleichheit) in denken, reden, handeln und Lebendigkeit erhebt. Damit meine ich allerdings keine Anarchie, denn die wäre ein Schritt zurück auf tierisches, reaktionäres Niveau. Der Mensch hat das Werkzeug zu mehr. Vor allem sollte er sich befreien von der Abhängigkeit sein grundsätzliches Lebensrecht auf Geldwerte aufbauen zu müssen.

Ich glaube ebenso, daß man die Augen immer weniger verschließen wird. Allerdings glaube ich nicht, daß das Bewußtsein in den richtigen Gesellschaftsetagen schon allzuweit gereift ist. Man hat dort wie schon geschrieben überhaupt keinen Grund die Augen von seinem Wohlstand zu wenden. Allerhöchstens zur Verteidigung. So denke ich auch, daß der ganze bunte Zirkus bis zum großen Hammerfall weiter gehen wird. Ich sehe den Menschen (als globalen Organismus nicht Individuum) als einen suchtkranken Patienten. Er leidet an der Sucht nach Reichtum, in dem er sein uneingeschränktes Lebensglück zu finden glaubt. Für diesen Suchtkranken gibt's nur zwei Wege und das ist entweder die selbstständige Erkenntnis des Wurzelgifts oder aber der Kollaps. Wenn ich ganz ehrlich bin, denke ich, daß Selbsterkenntnis keine der großen Stärken dieses Patienten ist. Die erreicht er zumeist erst nach dem Fall auf die Nase. Ich denke das ist ebenfalls zurecht die Natur des Menschen. Würde man ohne Fehler lernen können, würde man von Zweifeln zerfressen sein, die einem stets die Frage aufwerfen was wäre, wenn ich alternativ gewählt hätte.

Insofern müssen wir uns nicht im geringsten darüber wundern, wenn unsere Vorläufergeneration, die heute noch zumeist an den Hebeln sitzt, merkwürdige Entscheidungen fällt, die scheinbar so heilsbringend sind, aber im Grunde das genaue Gegenteil bewirken werden. Augen auf!

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