Autor Thema: Aktiver Überwachnungsstaat  (Gelesen 12880 mal)

Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #30 am: September 27, 2006, 08:42 Vormittag »
Das Dumme dabei ist, dass der jetzige Zustand nicht neu ist. Seit dem der Mensch eine Keule in die Hand nahm um sein Essen zu verteidigen gibt es Ungleichheit. Und ich wette, dass bereits damals die Hoffnung keimte, einen Ausweg zu finden. Nur geändert hat sich nichts, warum also jetzt?
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anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #31 am: September 27, 2006, 14:30 Nachmittag »
Weil ich dran glaube, daß es damals ebenso keinen Grund für eine Umkehr gab, denn die Gemeinschaften waren lokal begrenzt und man konkurrierte innerhalb einer sozialen Gruppe von durchschnittlich höchstens (meine Schätzung) 1000 Piepels. Die Auswirkungen auf die soziale Gemeinschaft, die Spezies Mensch oder die sie umgebende Umwelt war im Vergleich verschwindend gering.

- Krankheiten blieben lokal eingedämmt,
- Kriege wurden nicht um die Bodenschätze eines Landstrichs geführt,
- man hatte nicht die Mittel, um andere Landstriche mit ihren Stammesgemeinschaften zum eigenen Vorteil klein zu halten,
- Energieansprüche waren viel geringer und so viel leichter und relativ konfliktlos zugänglich,
- ...

Das ganze Lebensfeld eines einzelnen Bürgers war wesentlich kleiner und so auch entsprechend anfälliger für jede From von positiver oder negativer Einwirkung. Dementsprechend lagen Aktion und Reaktion nah beieinander was in dem Fall Entscheidung über Leben und Tot bedeuten konnte.

Heute leben die Bürger in einem globalen Dorf, indem jeder größere Fehler Einfluß auf das komplette System nimmt. Ein einzelner Krieg kann zu einem Flächenbrand werden und die komplette Gemeinschaft einschließlich dem vermeintlichen Nutznießer dezimieren. Man ist heute einfach dazu gezwungen als Mensch mehr den Verstand zu benutzen und weniger die oberflächlichen Triebe. Wieviele Kriege hätte es in den letzten 50 Jahren geben können, deren Gefahr aber eingedämmt wurde? Ich verstehe auch nicht wieso man den Fortschritt proklamiert aber dabei lediglich auf Wirtschaftswachstum und Technik sieht. Ein wirklicher Fortschritt funktioniert niemals über die Technik sondern fängt immer erst im Kopf des Einzelnen an. Ein dämlicher Typ mit dem modernsten Plasma-TV-Set bleibt ein dämlicher Typ. Er wird vielleicht nicht einmal den Videotext finden. Aber jemand der zum Lernen und entwickeln seines Verstandes bereit ist wird nicht nur Videotext sondern auch Fernseher neu erfinden. Wenn man meint das menschlich, soziale System der letzten 30.000 Jahre wäre dasselbe für die nächsten 30.000 Jahre liegt m.E. falsch. In dem Fall wäre nämlich jeder technische Fortschritt eine leere Hülse, die den Menschen und sein Potential unberührt lassen. Das ist kein Fortschritt.

Es gibt wirklich eine natürliche Grenze des Wachstums bzw der Evolution des Menschen. Und an der stehen wir gerade. Entweder wir betrügen uns hier um unsere eigene Existenzgrundlage oder wir nehmen die Hürde als soziale Gruppe gemeinsam. Erst dann steht dem Fortschritt wirklich nichts mehr im Weg. Aber wenn wir meinen das Recht des Stärkeren wäre weiterhin legitim landen wir füher oder später in einer evolutionären Sackgasse.

Gruß
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Samur

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #32 am: September 27, 2006, 16:30 Nachmittag »
Ich frage mich, ob die Menschen das tatsächlich so sehen.
Natürlich sind alle durch die modernen Kommuniaktionsmittel ein wenig aneinandergerückt, aber glaubst Du wirklich, dass dem Durchschnittsbürger im Abendland bewusst ist, dass wenn Menschen im Afghanistan oder Irak, in Afrika order Südamerika sterben, ihn das irgendetwas angeht?
Solange für die Leute das Benzin aus der Zapfsäule und die Kleidung oder die Nahrungsmittel aus dem Supermarkt kommen, solange wird er die globalen Zusammehänge nicht erkennen und solange auch nicht bereit sein, etwas gegen die jetzige Lage zu unternehmen.
Natürlich ist der Einfluss des Menschen größer geworden, aber ob die wahrnehmbare Umwelt jedes einzelnen das auch ist wage ich zu bezweifeln.
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anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #33 am: September 27, 2006, 17:02 Nachmittag »
Nein ich glaube nicht, daß ihn das juckt. Und genau da liegt das Problem mit unserem globalen Dorf. Der Wert eines menschlichen Lebens dünnt mit Zunahme der Entfernung aus. Das heißt innerhalb unseres globalen Dorfs verliert jeder einzelne Bürger inflationär an Wert. Aber dies geschieht auch zum Nachteil für jeden Einzelnen. Es ist richtig, daß es den Leuten egal ist, die in Wohlstand leben. Sie verlieren also an Wert, nehmen es hin und müssen gleichzeitig ihren Wohlstand gegen die Rebellion verteidigen. Scheinbaren Wertgewinn erhält dabei nur der, welcher nicht etwa menschliche Werte vertritt, sonder der, welcher die längste Zahlenkette auf dem Konto hat. Der Werteverlust ist also nicht aus der menschlichen Natur heraus gewachsen, sondern aus einem unpersönlichen Werkzeug, das eigentlich ursprünglich einmal das tägliche Leben erleichtern sollte. Wir sind längst Sklaven unseres eigenen Werkzeugs geworden. Der einzelne Bürger innerhalb des globalen Dorfs kann nur wieder an Wert gewinnen, wenn er von dem Irrtum abkommt, daß Geldwucher und Wirtschaftswachstum sein Segen ist. Und das funktioniert nicht nur wenn ein paar hundert, oder hunderttausend Menschen diese Erkenntnis haben.

Das globale Dorf hat durchaus seine Berechtigung ganz zu schweigen von Fortschritt. Nur das Leben darin/damit will gelernt sein, weil die Alternative Degeneration bzw Auslöschung bedeutet. Die Gefahr besteht dabei darin, daß man den Abstieg als Mensch nicht sofort wahrnimmt, weil man solange 'blind' bzw ignorant bleibt, bis das Problem einem direkt auf die Fresse haut. Das Problem ist jedenfalls da und es wird nicht einfach so mal nach einem Sonntagstee einfach verschwinden. Das glaubt vielleicht der allmächtige Westler, der zu Mond und Mars fliegen könnte wenn er wollte und das Geld dazu aufgetreiben hätte. Aber ich glaube man wird sehr bald viel klüger oder aber sehr viel toter sein. Ich bin optimistisch.

Gruß
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Admiral

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #34 am: Oktober 12, 2006, 13:58 Nachmittag »
Du glaubst also dass die Welt besser wird, weil es logisch ist.

Nun... Du vergisst eine Wichtige Eigenschaft der Menschen: "Schizofrenie"
Es ist nun mal kein Problem für einen Menschen für 'Brot für die Welt' zu spenden und dann bei Lidl einzukaufen, wodurch er von Dumping-Löhnen profitiert.

Oder kauft machst Du woanders ein???

Das liegt nun mal in der Natur der lokalen Sicht des Individuums. Entweder Du entfernst diese Sicht ("Wir sind Borg") oder Du behälst eine chaotische Welt, die sich nur durch mittelmäßige Modelle vom Wirtschaftswachstums einiegermaßen beschreiben lassen.

Den Zwang zu einer massiven Änderung sehe ich nicht.
Natürlich, natürlich! Der Untergang des Abendlandes ist nahe! Das ist aber etwas, was jede Generation erkennt und erzählt. Liegt auch an der lokalen Sicht meiner Meinung nach.
« Letzte Änderung: Oktober 12, 2006, 14:00 Nachmittag von Admiral »

anakin!kkee

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Re: Aktiver Überwachnungsstaat
« Antwort #35 am: Oktober 14, 2006, 15:57 Nachmittag »
Wußte nicht, daß diese 'Eigenschaft' derart wichtig ist. Du glaubst also, daß der Mensch von Natur aus krank in der obersten Schublade ist? Dann glaube ich, daß du dir was vormachst. Vielleicht auf Grund von Überzeugungen, die sich aus täglichen Nachrichten, und subjektiven Beobachtungen einzelner gesellschaftlicher Vorfälle ableiten. Übrigens kannst du mir - oh Wunder - genau das gleiche unterstellen.

Ist mir auch klar, daß es viele satte Leute gibt, die keinen Grund für einen Wandel sehen. Es ist aber lediglich ihre subjektive Sicht, die nicht zwingend an eine gültige Wirklichkeit gebunden sein muß - was sie dann sehr gerne übersehen. Frage einmal ein Vorstandsmitglied bei Schickimicki-Motors und dann noch einen gerade entlassenen Fließbandarbeiter ob er einen Wandel zwingend notwendig sieht. Letzten Endes ist es wurscht was beide denken und diskutieren - einschließlich dir und mir.

Gruß
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