Autor Thema: [Buch] König der Könige: Eine Parabel der Macht  (Gelesen 2785 mal)

Admiral

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[Buch] König der Könige: Eine Parabel der Macht
« am: Juni 01, 2008, 12:18 Nachmittag »
Habt Ihr Zeit zum lesen?

Nun... Ich auch nicht.  8)

Aber manchmal lohnt es sich trotzdem sich die Zeit zu nehmen. Vor allem wenn man Interesse an Geschichte hat. Oder wenn man Dinge wie Macht und Korruption zu verstehen versucht. Oder, wie kommt es zu Revolutionen? Dinge die vor dem Hintergrund der Nahrungsmittelpreise in der sog. 3. Welt irgendwie bekannt vorkommen.

Das Buch beschreibt einen Ort und eine Zeit von der man im Geschichtsunterricht in Deutschland wenig hören wird:

- Kaiserreich Ethiopien
- 1960er und 70er Jahre. Die Zeit des letzten Kaisers Hajle Sellasje

Damit ist es die jüngste Geschichte:
Unsere Eltern lebten in dieser Zeit bereits und freuten sich eines mehr oder weniger glückichen Lebens im demokratischen oder wenigsten kommunistischen Europa.

Es ist aber auch die älteste Geschichte, denn sie stammt aus einem Land, dass sich seid 2000 Jahren fast nicht verändert hat! Absolute Monarchie, absolute Macht, absolute Untergebenheit und am Ende absolute Illusion.

Was geht uns das an? Warum sollte so etwas spannend sein?

Nun... Der Autor (Ryszard Kapuscinski) ist ein polnischer Journalist. Er will kein Geschichtsbuch schreiben, und so hällt er sich mit seinen eigenen europäischen Kommentaren zurück. Er läßt vor allem die Menschen vor Ort erzählen.
Das Buch ist eine Sammlung von kurzen Interviews mit ehemaligen Palastangestellten und Dienern des Kaisers. Sie beschreiben eine Welt, die man sich in Europa kaum noch vorstellen kann. Wie sieht so etwas aus? Wie funktioniert so etwas? Wie zerfällt so etwas?

Oder ist das doch etwas was jeder in einem tyranischen Chef wiederfindet? ;-)


Was mich persönlich am meisten fasziniert ist die Revolution und vor allem wie sie die Menschen des Palastes erleben. Jeder von uns hat im Geschichtsunterricht oder woanders etwas von Revolutionen gehört: Französiche Revolution, die Sowjetische, die Machtergreifung der Nazis, 'Der Untergang', der Fall des Ostblocks. Nun... Hier ist wieder eine. Und die Diener aus dem Palast beschreiben selbst wie ihre 2000-jährige Welt unter ihren Füßen verschwindet und sie können nichts dagegen tun. Das skurille ist, dass die meisten an diese Welt glauben. Wenn einer sagt:
Zitat
"Natürlich verhungern Menschen in Ethiopien. Das haben sie schon seid 2000 Jahren getan. Das ist auch gut so: Die Hungrigen denken nur ans Brot und nicht an Auflehnung."
... da fühlt man sich eher an Terry Pretchett erinnert als an eine wahre Geschichte. Aber sie ist wahr!



Das Buch ist sehr angenehm zu lesen, da die Intervies im einfachen Plauderstil gehalten sind. Die Kürze der Abschnitte erlaubt es problemlos das Buch täglich in kleinen Häpchen zu lesen. Deswegen kann ich es jedem empfehlen, egal ob er sonst Bücher verschlingt, oder nur Überschriften der BILD beim Becker liest. Vor allem weil es das auch als Hörbuch gibt! :)

Weisheit wird jeder daraus ziehen und die schadet keinem.
« Letzte Änderung: Juni 01, 2008, 12:29 Nachmittag von Admiral »

Eloran

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Re: [Buch] König der Könige: Eine Parabel der Macht
« Antwort #1 am: Juni 01, 2008, 14:40 Nachmittag »
Klingt extrem interessant - auf jeden Fall!

Samur

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Re: [Buch] König der Könige: Eine Parabel der Macht
« Antwort #2 am: Juni 01, 2008, 15:50 Nachmittag »
Klingt lesenswert, liegt bereits auf dem Bestell-Stack.
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